Chelsea London - Liverpool FC

Im Mutterland des Fußballs…

Wenn zwei eine Reise machen. Im April 2009 ging es mit meinem Kumpel Toppi auf die Insel. Aber nicht Mallorca stand auf den Flugtickets, sondern London im Vereinigten Königreich, dem Geburtsort des Fußballs. Nach der Durchsicht der Spielpläne entscheiden wir uns 10 Tage in der englischen Hauptstadt zu verweilen, vom 10. – 20. April. Uns stehen also zwei Wochenenden und unter der Woche eventuell noch Champions-League bevor. Im Gepäck haben wir nur die bereits gebuchten Tickets für das Spiel zwischen den Tottenham Hotspur und West Ham United. Ein weiteres Spiel wurde zwar gebucht, aber… (dazu später mehr).
Geflogen wird mit dem Billigflieger easyjet von München nach London Stansted. Von dort geht es mit dem Stansted Express (es gibt auch billigere Alternativen) bis zum Bahnhof Liverpool Street. Das ist gleich um die Ecke von unserem Hotel. Dieses gehört zur Hotelkette Travellodge. Schnell eingecheckt und das Gepäck auf das Zimmer gebracht, denn wir wollte los zu…

10.04.2009: Reading FC – Sheffield United 0:1 (0:0), 20.756 Zuschauer

Vom Hotel geht es zurück zum Bahnhof Liverpool Street. Von hier aus fahren wir mit der U-Bahn nach Paddington. Leichte Konfusion, weil wir den Bahnsteig und die Linie nicht auf Anhieb finden. Nach etwas längerem Hin und Her ist das Gleis endlich gefunden. Und weiter geht’s. Ankunft in Paddington. Wir kaufen Bahntickets nach Reading.
Dort steigt am Abend das Topspiel der Zweiten Liga (Championship). Mal sehen ob es noch Karten gibt. Es wird auf jeden Fall eng (steht jedenfalls so im Internet).

Reading FC - Sheffield United
Madejski Stadium

Raus aus dem Bahnhof Reading. Wir machen uns auf die Suche nach einem Bus zum Stadion. Am Stadion angekommen natürlich sofort zum Ticketshop und siehe da, wir haben noch eine Karte ergattern können.
Und ab ins Stadioninnere. Keine Einlasskontrollen und wir sind drin.

Über die Fernseher, die im Stadion hängen, sehen wir, dass die Spieler schon im Tunnel stehen. Schnell ein Bierchen kaufen und dann den Platz suchen. Hinter uns stehen einige Reading-Fans. Nicht weiter tragisch, wenn man schon mal in einem deutschen Stadion war, das ist hier ist aber England. Das Spiel beginnt. Nach einer viertel Stunde erste Aufregung in unserem Block, wegen der „Steher“ hinter uns. Aber nicht wie von den Ordnet angedroht fliegen die Jungs hinter uns aus dem Block, sondern mein Kumpel und ich. Warum? Bier ist im Stadion verboten, außer beim Rugby, da ist es erlaubt, wie uns der nette Ordner aufklärt. Also schnell das Bier am Bierstand hinter dem Block runtergespült und wieder zurück. Von den „Stehern“ werden wir freudig begrüßt.
Die erste Halbzeit läuft richtig gut für die Heimmannschaft. Viele Chancen, aber es will einfach kein Tor fallen. Sheffield United spielt zu defensiv und hat keine eigene Torchance in Hälfte eins. Überschattet wird die erste Hälfte von der Verletzung von Readings Cissé, der erst nach minutenlanger Behandlung mit dem Caddy abtransportiert werden kann. Dafür gibt es einen Aufschlag von 7 (!!) Minuten.

Die zweite Halbzeit beginnt. Das Spiel hat etwas an Geschwindigkeit verloren. Es lebt nun eher von der Spannung. Sowohl der Tabellen-Dritte Sheffield als auch der Vierte Reading sind darauf bedacht nicht den einen entscheidenden Fehler zu machen. In der 60. Minute dann doch der erste Fehler der Reading-Abwehr. Howard nutzt diese Unaufmerksamkeit und erzielt mit einem Rechtsschuss das 1:0 für Sheffield United.

Reading FC - Sheffield United
Enstand Reading 0 - Sheffield United 1

Die Antwort der Heimmannschaft lässt nicht lange auf sich warten; bereits im Gegenzug köpft Reading an die Latte. Danach folgt ein Sturmlauf der Heimmannschaft, aber es fällt kein weiteres Tor. Sheffield, das in der Schlussphase auch beste Konterchancen nicht nutzt, gewinnt das Spiel völlig unverdient und baut die Serie an ungeschlagenen Spielen weiter aus.
Nach dem Spiel geht es zurück ins Hotel.





11.04.2009: Tottenham Hotspur – West Ham United 1:0 (0:0), 35.969 Zuschauer

Tag 2 unserer Reise ins Mutterland des Fußballs beginnt typisch britisch: mit Regen. Nach einem herzhaften englischen Frühstück, vertreten wir uns die Beine in der Gegend rund um das Hotel. Entgegen unseres Planes erreichen wir nach rund einer Stunde die Thames und sehen die London Bridge. Danach geht’s wieder zurück ins Hotel.

Tottenham Hotspur - West Ham United
White Hart Lane

Nach einer kurzen Rast machen wir uns auf zur White Hart Lane. Da wir die Tickets schon vorher im Internet gekauft hatten, haben wir im Gegensatz zum Spiel in Reading heute ausreichend Zeit, die Gegend rund um das Stadion White Hart Lane zu erkunden. Unter anderem gibt es hier die wohl fettigsten Chips (Pommes), die ich je gegessen habe.
Die Tore zum Stadion öffnen sich erst rund eine Stunde vor Spielbeginn. Das reicht, weil die meisten Zuschauer vermutlich noch in einem der Pubs rund um das Stadion sitzen und somit der Andrang überschaubar ist. Wir gehen zu unseren Plätzen. Beste Sicht vom East Stand, der Gegengeraden. Nur ein Pfeiler (1 von 2) behindert die Sicht etwas. Es sind hier in Reihe 25 rund 20 Meter bis zum Spielfeldrand.

Die Spurs sind von Beginn an die tonangebende Mannschaft. West Ham spielt sehr defensiv. Tottenham kann die Überlegenheit im Mittelfeld nicht in Tore umsetzen. Meist ist am Strafraum Schluss. Zu Beginn von Halbzeit zwei das gleiche Bild: die Spurs machen das Spiel, West Ham weiterhin auf Sicherheit eingestellt. Nach rund einer Stunde kommt Pavlyuchenko für Bent. Der russische Nationalstürmer bringt frischen Wind ins Angriffsspiel von Tottenham und so verwundert es nicht, dass eben jener Pavlyuchenko nach 70 Minuten das hochverdiente 1:0 erzielt.

Tottenham Hotspur - West Ham United
Pavlyuchenko (9) jubelt nach seinem Tor

Jetzt wacht auch das Heimpublikum wieder auf, das bisher stimmungsmäßig kaum in Erscheinung getreten ist. Dagegen herrscht im Gästeblock beim Anhang von West Ham United mit einem Mal Stille. Zuvor hatten die Fans ihre Mannschaft stimmungsvoll unterstützt. Obwohl sowohl die Fans als auch die Mannschaft von West Ham nach einer kurzen Schockphase wieder aufwachen, bleibt es am Ende bei verdienten 1:0. Das Ergebnis fiel wohl ein Tor zu niedrig aus, da Tottenham aus dem Mittelfeld besser agierte und West Ham auch zum Ende hin, den nötigen Kampf vermissen ließ. Das Spiel sahen 35.969 Zuschauer.

Nach dem Spiel geht es nicht zurück zum Bahnhof White Hart Land, sondern mitsamt den Spurs-Fans und der Polizei zu einem anderen Bahnhof quer durch das Viertel. Von hier aus geht es zurück zur Liverpool Street.



13.04.2009: Queens Park Rangers – Sheffield Wednesday 3:2 (0:1), 13.742 Zuschauer

Der freie Sonntag wurde mit Sightseeing und einem Besuch des Tower of London überbrückt.
Am Ostermontag steht ein Doppler an. Zuerst die Queens Park Rangers gegen Sheffield Wednesday und am Abend dann Millwall FC gegen Peterborough United.

Queens Park Rangers - Sheffield Wednesday
Das Logo der Queens Park Rangers

Wohl aufgrund eines Missverständnisses geht es schon ziemlich früh los. Nachdem wir bereits eine Woche vor Reiseantritt Tickets für das Spiel der Queens Park Rangers gegen Sheffield Wednesday online reserviert hatten, wurden diese Karten aber nach Deutschland geschickt. Also machen wir uns gleich noch am Vormittag auf in den Westen Londons, um unser Problem zu lösen. Das Problem hat sich nach 25 Minuten U-Bahn-Fahrt dann aber innerhalb von nicht einmal 10 Minuten geklärt. Der nette Herr am Ticketschalter hilft uns sehr schnell weiter. Wir erhalten Ersatzkarten. Dann der obligatorische Rundgang um das Stadion und danach zurück ins Hotel.

Von hier aus Aufbruch Richtung Buckingham Palace. Vorbeigeschaut, gesehen und weiter. Vorbei an Victoria Station. Und schon wieder in White City bei den Queens Park Rangers an der Loftus Road. Zum ersten Mal seit wir hier in London sind, scheint die Sonne und es ist richtig warm.

Queens Park Rangers - Sheffield Wednesday
Das Maskottchen

Wir haben Karten für die Gegengerade, circa 15 Meter bis zum Spielfeld. Die Rangers von Beginn an stark in der Offensive. Wednesday in der Defensive. In eine Drangperiode der QPR fällt nach einer Ecke das 0:1 für Sheffield, das ist auch der Halbzeitstand. Die zweite Hälfte, selbes Bild: QPR am Drücker, Sheffield mit dem 1:0 im Rücken eher defensive eingestellt. Nach einem Konter gibt es Elfmeter für Sheffield. Direkt vor den eigenen Fans fällt nach gutem Strafstoß das 0:2.

Queens Park Rangers - Sheffield Wednesday
Stadion Loftus Road

Die Queens Park Rangers werden in der Folge von ihrem Publikum wunderbar unterstützt und kämpfen sich zurück ins Spiel. Nach einer unübersichtlichen Aktion im Strafraum von Sheffield fällt in der 62. Minute der Anschlusstreffer. Keine 10 Minuten später gleicht Mahon aus. Die Stimmung im Stadion steigt und erreicht in der 88. Minute ihren absoluten Höhepunkt. Nach einer Ecke der QPR kann Sheffield zwar noch klären, aber die darauf folgende Flanke findet den Kopf von Stewart und der köpft zum vielumjubelten 3:2 für die Queens Park Rangers ein. Die verbleibenden Minuten feiern sich die Fans und ihren Verein.
Das Spiel sehen an diesem wunderschönen Tag 13.742 Personen, die ihr Kommen sich nicht bereut haben.

Nach dem Spiel geht es weiter zu….

13.04.2009: Millwall FC -PeterboroughUnited 2:0 (1:0), 10.518 Zuschauer

Vom Bahnhof London Bridge aus sollte ein Zug nach South Bermondsey zum Stadion The Den von Millwall fahren. Auf unsere Frage am Ticketschalter der National Rail, wann denn der nächste Zug nach South Bermondsey fahre, erhalten wir als Antwort (natürlich auf Englisch!): „Wollt ihr etwas zum Fußball?“ Na klar wollen wir zum Fußball. „Wenn heute Fußball ist, fährt aber kein Zug!“ Ein Polizist erklärt uns, wir sollen doch einen Bus nehmen, da wegen dem Fußballspiel keine Züge auf der Linie nach South Bermondsey fahren würden.

Millwall FC - Peterborough United
Millwall Bus

Also fragen wir uns über eine halbe Stunde lang zur richtigen Bushaltestelle durch. Die Linie 381. Unsere Rettung? Wir dachten es jedenfalls. Der erste Bus mit der Aufschrift „381“ fährt gleich durch, ohne nur ansatzweise den Versuch zu unternehmen anzuhalten. Prima! Auch der zweite Bus mit der „381“ fährt mit Volldampf vorbei. Neben uns stehen drei junge Kerle, die meiner Meinung nach auch zum Spiel wollen und auch vergeblich auf die Linie „381“ gesetzt hatten. Ihnen wird es jetzt zu bunt, sie rufen sich ein Taxi. Mein Kumpel und ich warten noch Bus Nummer 3 ab, aber auch der fährt vorbei. Was also tun? Letzter Ausweg ist also ein Taxi. Also wieder zurück zum Bahnhof Taxi suchen. Nach einer aufregenden Fahrt und mit den Nerven vollkommen am Ende, erreichen wir schließlich die Zampa Road, das Stadion „The Den“ in Sichtweite.

Millwall FC - Peterborough United
The Den

Starke Polizeipräsenz rund um das Stadion. Wir sind in der Höhle der Löwen. Auf geht’s zum Ticket-Office. Auf dem Weg dorthin, höre ich im Vorbeigehen nur „Sold out“. Alles umsonst? Nein! Es sind noch ausreichend Karten vorhanden. Noch schnell den Shop besucht und eine Runde ums Stadion. Dann geht es rein, The Den – am Ziel, endlich.
Es ist das Spitzenspiel der Coca-Cola-League-One (3. Liga) zwischen Millwall (3.) und Peterborough (2.). Das Spiel hält was man allgemein von Millwall erwarten konnte. Es ist kein Fußballspiel – hier wird Fußball gekämpft. Millwall drängt auf ein frühes Tor, trifft aber nicht. Peterborough in Hälfte eins ohne echte Torchance.

Millwall FC - Peterborough United
Das Stadion von innen

Nach 25 Minuten dann DIE Action des Spiels: Foulelfmeter für Millwall. Der Schütze schreitet zur Tat und vergibt. Lähmendes Entsetzen im Millwallblock. Der Schiedsrichter lässt den Strafstoß jedoch wiederholen, der Tormann hatte sich zu früh nach vorne bewegt. Der Millwall-Spieler, der auch den ersten Elfmeter geschossen hatte, tritt wieder an und vergibt erneut. Wieder geht ein gewaltiges Raunen durch The Den. Und wieder lässt der Schiedsrichter den Strafstoß wiederholen. Der Schlussmann von Peterborough hatte sich wiederum nicht im Griff, so zuminderst die Ansicht des Schiris (eine Wiederholung am nächsten Tag zeigt deutlich, dass er falsch entschied!). Nach längerer Diskussion, läuft nun ein anderer Spieler von Millwall (Martin) zum Elfmeterpunkt. Und ab damit in den rechten Winkel! Eiskalt verwandelt! The Den brodelt, die Stimmung kocht.
Bis Mitte der zweiten Hälfte beruhigt sich das Spiel. Dann schlägt der Millwall-Stürmer Price zu und erzielt nach einer schönen Hereingabe das verdiente 2:0. Danach kämpft Millwall Peterborough nieder. Erfolgreiches Pressing am gegnerischen Strafraum durch Millwall.

Durch den Sieg rückt Millwall in der Tabelle wieder näher an Peterborough heran. Das Spiel verfolgt 10.518 Zuschauer. Nach dem Spiel einfach dem Mob hinterher und dann rein in einen Bus, der uns zufällig zur London Brigde Station zurückbringt. Ein wunderbarer Abend endet dort, wo er fast schon zu Ende schien. Zum Abschluss genehmigen wir uns in der Hotelbar noch ein Bierchen. Was für ein Tag!

14.04.2009: Chelsea FC – Liverpool FC 4:4 (0:2), 38.286 Zuschauer

Chelsea London - Liverpool FC
Von wegen "Sold out"!

Das der Ostermontag noch getoppt werden sollte, war uns am Abend zuvor nie in den Sinn gekommen, aber wie es nun mal so ist.
Da am Abend das Champions-League-Spiel zwischen Chelsea London und dem FC Liverpool stattfindet, fahren wir am Vormittag an die Stamford Bridge. Das Spiel ist schon seit längerem ausverkauft. Mit der Tube geht’s in den Stadtteil Fulham. Am Stadion angekommen, drehen wir eine Runde und machen Fotos. Danach der freche Versuch doch noch Tickets für das abendliche Spiel zu ergattern: Wir fragen am Ticket-Office, ob es noch Karten gibt und bekommen die Antwort: „One minute please!“ Wie jetzt, es gibt noch Karten? Ja, es gibt noch einige. Nach kleiner Diskussion, sind wir stolze Besitzer zweier Tickets für das Spiel am Abend.

Nach dieser unerwarteten Wendung machen wir uns auf den Weg zum nahe gelegenen Stadion Craven Cottage vom FC Fulham. Leider sehen wir dieses Stadion nur von außen. Danach geht’s zum neuen Wembley-Stadion. Imposant ragt das Stadion empor. Ein wirklich schön anzusehendes Stadion. Auch hier können wir das Stadion nur von außen betrachten. Eine Stadionführung für 15 Pfund erscheint uns wohl etwas teuer.
Also machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel. Eine Stunde relaxen und dann kurz ins Pub auf ein Bierchen.

Chelsea London - Liverpool FC
Stamford Bridge

Von der Liverpool Station geht es dann zur Stamford Bridge. Nicht lange gewartet und rein ins Stadion. Kurzer Stopp am Imbiss und auf zu den Plätzen. Hinter dem Tor, Oberrang, beste Sicht. Das Spiel in Liverpool endete 1:3. Chelsea geht also mit einem beruhigenden Vorsprung von zwei Toren und insgesamt drei Auswärtstoren in das Rückspiel. Liverpool braucht mindestens drei Tore und zwei Tore mehr als Chelsea um doch noch den Sprung in das Halbfinale zu schaffen. Die ersten Minuten verlaufen ereignislos. Dann Freistoß für Liverpool auf deren rechter Angriffsseite. Zur Überraschung aller im Stadion und vor allem überraschend für Chelsea-Schlussmann Chech schlägt der Schütze Fabio Aurelio den Ball direkt auf die kurze Ecke. TOR! Chelsea dadurch geschockt. Nach einer guten halben Stunde dann Konfusion. Nach einem Freistoß von Liverpool ein Pfiff. Der Chelsea-Anhang jubelt verhalten, die Fans rechnen mit einem Freistoß für ihr Team. Doch der Schiedsrichter gibt Elfmeter für Liverpool. Auch aus meiner Position war in der Situation nichts zu erkennen. Erst in der Fernsehwiederholung wird klar, dass der Strafstoß berechtigt ist. Xabi Alonso lässt sich die Chance nicht nehmen und erhöht auf 2:0 für die Reds. Jetzt fehlt ihnen noch ein Tor zum Weiterkommen. Kurz vor der Pause dann eine weitere Top-Chance für Fernando Torres, aber er vergibt.

Chelsea London - Liverpool FC
Stamford Bridge mit Blick auf den Liverpool Block

Nach der Pause lässt es Liverpool etwas ruhiger angehen und Chelsea kommt besser in das Spiel. Nach einer Flanke von Anelka rutscht Drogba in die Flugbahn des Balles und fälscht ihn für Reina unhaltbar ab. Nur noch 1:2. Keine zehn Minuten später entscheidet der Schiedsrichter auf Freistoß für Chelsea. Zentrale Position, 25 Meter Torentfernung, Alex haut in rein – Ausgleich! Die Fans feiern das Tor wie einen Sieg. Mitte der zweiten Halbzeit spielt Michael Ballack einen überragenden Pass auf Drogba. Dieser setzt sich gegen seinen Gegenspieler durch und passt quer. Dort steht Lampard am Fünfer und macht die Bude. Die Stamford Bridge hält nun nichts mehr. In diese Partystimmung fällt das 3:3 durch Lucas. Ein abgefälschter Schuss. Als Dirk Kuyt nur wenige Minuten später sogar das vierte Tor für Liverpool erzielt, beginnt das große Zittern an der Stamford Bridge. Würde Liverpool noch ein Tor erzielen und somit durch die mehr erzielten Auswärtstore in das CL-Halbfinale einziehe?. Die Fans um mich herum haben aufgehört zu singen und rutschen nervös auf ihren Sitzen herum.
In der 89. Minute nimmt sich dann Frank Lampard den Freiraum und markiert mit seinem zweiten Tor an diesem Abend das 4 zu 4. Und wieder gibt es kein Halten mehr im Stadion. Dieser Jubel wird nur durch eine Chance von Liverpool, die Essien auf der Linie klärt, kurzzeitig unterbrochen.
„Blue is the colour, football is the game!“, so hallt es nach dem Spielende durch das Stadion. Chelsea hat es geschafft.

Chelsea London - Liverpool FC
Grandioses Spiel - 4:4

Ein super Spiel, ein aufregender Abend geht zu Ende. Ich habe das Spiel als Liverpool-Sympathisant im Chelsea-Block heil überstanden. Es geht zurück ins Hotel. Dort angekommen genießen wir bei einem Bier an der Hotelbar die Zusammenfassung, die im Fernseher läuft. Am Nachbartisch hat einer erkannt, dass wir Chelsea-Fahnen dabei haben. Ein Anderer meint: „Da hätte man bestimmt 300 Euro für ein Ticket zahlen müssen!“ Nicht ganz. Wir haben am Vormittag 47 Pfund je Ticket bezahlt. Ein schöner Abend geht zu Ende.





18.04.2009: Crystal Palace – Derby County 1:0 (0:0), 14.776 Zuschauer

Nach unserem Höhenflug am Montag und Dienstag versuchen wir am Mittwoch unser Glück beim FC Arsenal (Champions-League gegen Villareal). Auch hier würde es noch Karten geben, jedoch nur „Business Seats“ ab 100 Pfund. Wir entscheiden uns für Sightseeing und einen gemütlichen Abend im Pub. Auch Donnerstag und Freitag werden mit „Kultur pur“ rumgebracht, unter anderem fahren wir nach Brighton an die Südküste. Mit Fußball geht es am Samstag weiter.

Crystal Palace - Derby County
Die große Hintertortribüne

An diesem sonnigen Samstag soll das Ziel heute der „Selhurst Park“ von Crystal Palace sein.
Mit der U-Bahn und dem Zug geht es von der Liverpool Street zum Bahnhof Selhurst. Von hier folgen wir den einheimischen Fans durch ein Wohngebiet (typisch britisch) zum Stadion.
Hier am Stadion fällt zuerst die futuristische Hintertortribüne auf. Diese ist im Vergleich zu der Tribüne gegenüber ungefähr doppelt so groß und passt auf den ersten Blick nicht so ganz zum restlichen Stadion.
Wir kaufen uns vor Ort Tickets für die Gegengerade (5. Reihe) und drehen eine Runde um das Stadion. Wie bei so vielen englischen Stadien liegt die Spielstätte inmitten eines Wohngebietes. Von außen dominieren die Backsteinziegel mit denen die Außenwände errichtet wurden.

Crystal Palace - Derby County
Eddie the Eagle

Durch die engen Drehkreuze gelangen wir ins Stadioninnere. Der Innenraum unter der Gegengeraden ist richtig „old school“ eingerichtet. Kleine Stände und alles eher eng, so der erste Eindruck. Zum Essen gibt es Hamburger und Hot Dogs, jeweils in verschiedenen „Geschmacksrichtungen“. Dazu ein kühles Fosters.
Die Gegengerade selbst betreten wir ebenerdig. Auch einmalig bisher. Die Tribüne ist auf der Länge des Spielfeldes langzogen und ziemlich flach. Die hinteren Reihen haben sowohl drei Pfeiler als auch das tiefgezogene Dach im Blickfeld. Die hinteren Sitzreihen bestehen aus alten Holzsitzen, die vorderen Reihen aus den bekannten Plastikschalen.
Die Gästefans sind mit auf der Gegengeraden untergebracht und machen bereits vor Spielbeginn Betrieb (hielten sie fast 90 Minuten durch). Von den Heimfans ist wenig zu hören (blieb so).

Crystal Palace - Derby County
Die Spieler in Erwartung eines Eckballs

Das Spiel ist in der ersten Hälfte nicht besonders schön anzusehen. Einziges Highlight bereits nach 11 Sekunden als ein Heimspieler die „Legende“ Robby Savage im Luftkampf auf den Boden der Tatsachen zurückholt und dafür die Gelbe Karte sieht. Ansonsten viele Fehlerpässe und kleinere Fouls. Sehr wenige echte Torchancen.
Die zweite Halbzeit etwas besser und nach einer Stunde muss ein Spieler der Heimelf mit Gelb-Rot vom Platz. Er hatte in der ersten Hälfte wegen einer Schwalbe die Gelbe Karte gesehen und nun nach 60 Minuten für ein (harmloses) Foulspiel die zweite Gelbe.
Doch anstatt die numerische Überlegenheit zu nutzen, kassiert Derby nur Minuten später nach einem Konter das 0:1. Torschütze ist der Palace-Spieler Kuqi. Jetzt wachen auch die einheimischen Fans kurzzeitig mal auf. Um dann aber wieder zu verstummen.

Der in der Folge von Derby vorgetragene „Kick and Rush“-Fußball ist weder schön anzusehen noch erfolgreich. Besonderes Schmankerl zum Abschluss dieses mittelmäßigen Spieles ist ein Freistoß für Derby, der im gedachten 4. Stock landet.
Endstand 1:0. Die Fans sind gut gelaunt, wir haben einen leichten Sonnenbrand auf den Unterarmen.

19.04.2009: Ipswich Town – Norwich City 3:2 (1:1), 28.274 Zuschauer

Da wir keine Eintrittskarten für das FA-Cup-Halbfinale im Wembley-Stadion ergattern konnten, nehmen wir den Trip nach Ipswich in den Nordosten Englands in Kauf.
Bereits einige Tage zuvor haben wir uns Zugtickets gekauft. Beim Kauf wurde uns gesagt, dass der Zug nur bis Billericay fahren würde. Gut zu wissen, dachten wir uns. Mal schauen was da auf uns zukommt.

Ipswich Town - Norwich City
Ankunft Gästefans

Am Tag des Spiels machen wir uns von London Liverpool Street aus auf nach Ipswich. Der Zug hält planmäßig in Billericay und wir steigen auf einen Ersatzbus um. Von Billericay sind es noch knapp 75 Minuten bis Ipswich. Nicht einmal eine Stunde ist vorbei als wir am Ziel ankommen. Die restlichen Reisenden versuchen ihre Bekannten, mit denen sie sich verabredet haben, am Telefon zu erreichen, um ihnen mitzuteilen, dass sie viel zu früh in Ipswich angekommen sind. Der Busfahrer hatte auf der Hinfahrt rund 20 Minuten gutgemacht. Eine respektable Leistung.

Da wir nun noch etwas Puffer hinzubekommen haben, können wir es vor Ort ruhig angehen lassen. Zuerst suchen wir das Ticket Office auf. Nach unseren Recherchen am Vorabend wird mit einem fast vollen Haus (30.000 Zuschauer) beim „East Anglian Derby“ in Liga 2 gerechnet. Die Kartensituation ist noch relativ entspannt. Wir erhalten Tickets direkt hinter dem Tor.

Ipswich Town - Norwich City
Stadion Portman Road

Vor dem Spiel drehen wir eine Runde ums Stadion „Portman Road“ und holen uns etwas zum Essen. Dabei können wir die Ankunft der Norwich-Fans beobachten. Unter höhnischen Gesängen von der Heimseite, werden die Fans der Gäste in das Stadion geleitet. Die Derby-Atmophäre ist bereits vor Spielbeginn zu spüren.
Nachdem wir unsere Plätze erreicht haben, beginnt das „East Anglian Derby“. Unsere Sicht ist nicht die Beste, aber dennoch spannend.
Das Spiel ist von Anfang an rassig und ein wenig ruppig. Es ist Derby-Zeit. Die Gäste kämpfen um die letzte Chance auf den Klassenerhalt. Eine Niederlage würde wohl den Abstieg besiegeln. Die Gäste beginnen abwartend. Die Heimelf versucht von Beginn an, den Gegner unter Druck zu setzen. Das gelingt jedoch nur bedingt.
Nach einer Freistossflanke markieren die Gäste das (verdiente) 0:1. Nur einige Minuten später fällt das 1:1 direkt vor unseren Augen. Die Sicht auf die andere Seite ist zwar nicht so gut, dafür erlebt man das 1:1 wirklich hautnah. Halbzeitstand damit ein gerechtes 1:1.

Ipswich Town - Norwich City
Beste Sicht!

In der zweiten Halbzeit merkt man mit fortschreitender Spielzeit immer mehr den Unterschied warum Norwich gegen den Abstieg spielt und Ipswich eigentlich zu den Topteams der Liga zählt. Die Heimelf lässt den Ball und Gegner laufen und durch einen Strafstoß zum 2:1 Führungstreffer. Danach reagiert der angeschlagene Gast und wird mutiger. Doch der ganze Mut der Auswärtsmannschaft wird nicht belohnt. Im Gegenteil: nach einem Konter erzielt die Heimelf das entscheidende 3:1 mit einem Flachschuss in die lange Ecke.
Der verwandelte Elfmeter von Norwich in der Nachspielzeit ist nur mehr Ergebniskosmetik.
Ein kühler Sitzplatz und ein spannendes Spiel bleiben uns in Erinnerung.
Die Heimfahrt verläuft wie die Hinfahrt: Ipswich – Billericay – London.

Am Montag fliegen wir mit der ersten Maschine von London Stansted zurück nach München. 10 Tage in der englischen Metropole gehen zu Ende, sieben Spielen haben wir besucht. Eine gute Quote, die aber sicher ausbaufähig ist. Besonders in Erinnerung bleiben sicherlich der Elfmeter bei Millwall und das Champions-League-Spiel zwischen Chelsea und Liverpool.

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