1. FC Nürnberg – SpVgg Greuther Fürth (261. Frankenderby)

Die 261. Auflage des Frankenderbys fand litt unter den widrigen Gegebenheiten der Englischen Woche in der 2. Bundesliga: Anstoßzeit 17:30 Uhr an einem Dienstagabend ist nun einmal alles andere als fanfreundlich. Gepaart mit der in Nürnberg bekannten Problematik des Feierabendverkehrs rund um das Stadion mieden viele (neutrale) Fußballfans das Stadion und so kamen nur rund 35.000 Zuschauer zum Städteduell Nürnberg gegen Fürth. Beide Teams waren alles andere als berauschend in die neue Zweitliga-Saison gestartet. Der Club rangierte vor dem Derby mit zwei Punkten aus Rang 17, das Kleeblatt kassierte am vergangenen Freitag eine 0:3-Heimniederlage gegen Aufsteiger Würzburg und beklagte zahlreiche verletzte Spieler.

Aufgrund der angesprochenen frühen Anstoßzeit kam im Umfeld des Stadions kaum Derbystimmung auf. Die Mehrzahl der Zuschauer hastete eilig zu den Eingänge und war froh, zum Anstoß auf dem richtigen Platz zu sein. Der Max-Morlock-Platz war eine Stunde vor Spielbeginn teilweise nur von einigen Fans gesäumt. Ein trauriges Bild, das sich auch in der offiziellen Zuschauerzahl von 32.362 zeigte.

Beide Fanlager präsentierten zu Spielbeginn eine Choreo (Fotos siehe unten). Auf Seiten der Gäste zierten ein Vereinswappen und weiß-grüne Fahnen den Block. Dazu gaben die Kleeblatt-Fans der Mannschaft folgenden Spruch mit ins Derby:

Wir singen für Grün, wir springen für Weiß. Wir eskalieren, wenn sich eines mit dem anderen vereint

Anschließend zündeten die Fürther weiße und grüne Rauchtöpfe und „Blinker“, die die Südkurve einnebelten.

Auf der Gegenseite war bei den Clubfans in der Nordkurve zunächst nur ein Banner zu sehen, jedoch wurde mit Einlauf der Mannschaft im Oberrang ein weiteres Banner und eine bemalte Blockfahne aufgezogen. Zu lesen gab es, in Anlehnung an den Film Aguirre – der Zorn Gottes (?):

Wir sind der Zorn Gottes. Die Erde über die wir gehen sieht uns und bebt – Wahnsinn made in Nürnberg

Auf dem Rasen hatten die Gäste durch Berisha (4.) und Steininger, der eine Flanke auf Berisha und Freis jedoch nicht anbrachte, die ersten guten Gelegenheiten. Danach übernahm der Club das Spielgeschehen und spielte gefällig nach vorne. Fürth stand zwischen der zehnten und 35. Minuten gehörig unter Druck. 6:0 Ecken nach 23 Minuten war ein erster Erfolg für die Heimelf, Zählbares sprang jedoch nicht heraus. Einzig ein Kopfball von Matavz landete an der Querlatte. Nach einer guten halben Stunde konnte sich das Kleeblatt so langsam aus der Umklammerung lösen und kam selbst wieder gefährlich vor das Nürnberger Tor. Gießelmann schlenzte den Ball an die Latte, Freis brachte den Abpraller per Kopf zur Mitte, wo Dursun mit einem Seitfallzieher den Ball über die Linie wuchtete – 0:1 (40.). Ein Nackenschlag für den, bis zu diesem Zeitpunkt, gut spielenden FCN und großer Jubel bei den Anhängern der Fürther Spielvereinigung.

Nach dem Seitenwechsel drängte der Club auf den Ausgleich, die Gäste hatten sich in der Kabine aber auf die wütenden Angriffe der Hausherren eingestellt und konterten den Club eiskalt aus. Über Berisha kam der Ball in der 54. Minute zu Steininger, der abzog und der Schuss wurde von Sepsi unhaltbar abgefälscht – 0:2. Dieser Zwischenstand spielte dem Kleeblatt natürlich in die Karten und so zog sich der Gast wieder zurück und lauerte auf Kontergelegenheiten. FCN-Trainer Schwartz brachte nach dem 0:2 mit Burgstaller und Teuchert zwei frische Kräfte und vor allem Letztgenannter brachte ordentlich Schwung ins Nürnberger Offensivspiel. Die beste Nürnberger Chance in dieser nochmals starken Phase rund um die 65. Minute vergab Matavz, dessen Schuss Megyeri mit einer guten Parade aus dem Eck fischte. Die Zeit lief den Hausherren zusehends davon und Besserung war kaum in Sicht. Das auserkorene Allheilmittel „lange Bälle in die Spitze“ brachte gegen die langen Franke und Caligiuri keine Durchschlagskraft. Einzig Teuchert mit seiner Schnelligkeit brachte Gefahr, wenn er zur Grundlinie durchbrach. In der Nachspielzeit gelang Burgstaller zwar noch das 1:2 aus Nürnberger Sicht, der Anschlusstreffer kam jedoch zu spät.

Auf Fanseite verweigerte die Nordkurve nach dem 0:2 die Anfeuerung und Unterstützung der eigener Mannschaft. Der Bruch zwischen Fans und Mannschaft zeigte sich auch nach dem Spiel, als die Elf samt Trainer in die Nordkurve schlich und sich dort, bedröppelt, in sicherer Entfernung, einem gellenden Pfeifkonzert ausgesetzt sah. Nach einigen Minuten zogen die Nürnberg von dannen. Auf der anderen Seite bejubelten Fans und Team ausgelassen den Fürther Derbysieg, während sich das Stadion relativ zügig leerte.

Fotos vom Spiel. Zur Vollansicht bitte die Fotos anklicken.


20.09.2016: 1. FC Nürnberg – SpVgg Greuther Fürth 1:2 (0:1)

Nürnberg: Kirschbaum – Brecko, Hovland, Bulthuis, Sepsi (77. Parker), Petrak (62. Teuchert), Behrens, Salli (62. Burgstaller), Möhwald, Leibold, Matavz
Fürth: Megyeri – Narey, Franke, Caligiuri, Gießelmann, Rapp, Hofmann, Steininger (73. Tripic), Freis (78. Heidinger), Dursun (90.+1 Azemi), Berisha
Tore: 0:1 Dursun (40.), 0:2 Steininger (54.), 1:2 Burgstaller (90.+3)
Zuschauer: 32.362

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